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Die Rotfruchtpflanze - Ein exotischer Tausendsassa

Pflanzen sind die langlebigsten und anpassungsfähigsten Geschöpfe der Welt. Manche von ihnen haben sogar Aufstieg und Fall der Dinosaurier erleb und viele von ihnen werden auch das Kommen und Gehen der Spezies Mensch miterleben. Im Gegensatz zum Homo Sapiens, der auf ein hoch entwickeltes Gehirn angewiesen ist, um beispielsweise Waffen zur Verteidigung seiner selbst und seines Nachwuchses zu produzieren, entwickeln Pflanzen seit je her alles, was sie zum Überleben benötigen, aus sich selbst heraus. Pflanzen tarnen sich oder produzieren Gift um sich vor Fressfeinden zu schützen, locken mit bunten Farben und unwiderstehlichen Gerüchen Beute zu sich heran, oder entwickeln wohlschmeckende Früchte, die dafür sorgen, dass Vögel und Insekten ihren Samen verbreiten und so symbiotisch zu ihrem Fortbestand beitragen.

Ein Paradebeispiel hierfür ist die Rotfruchtpflanze. Sie wurde im Jahr 1526 vom portugiesischen Seefahrer Jorge des Menes entdeckt. Durch Jean-Baptiste de Lamarck wurde die Rotfruchtpflanze 1785 dann erstmals auch im wissenschaftlichen Bereich erwähnt.

 

Die Rotfruchtpflanze (lat. Pandanus conoideus) gehört zur Familie der Schraubenbaumgewächse. Sie wächst als immergrüne, baumförmige Pflanze und kann dabei Wuchshöhen von bis zu 17 Metern erreichen, wobei die Verzweigung in etwa 5 bis 8 Metern Höhe beginnt. Die dunkelgrünen Laubblätter können eine Länge von bis zu einem Meter erreichen und sind mit kleinen ca. 1mm langen Dornen an ihren Rändern versehen. Der auffallende, rote Fruchtstand, erinnert durch seine elliptische Form mit abgerundeten, stumpfen Spitzen an einen Brotlaib. Die Frucht hat in der Regel eine Größe von ca. 55 cm, einen Durchmesser von rund 10 bis 15 cm und kann bis zu 3 kg schwer werden. Aufgrund der Kombination dieser besonderen Merkmale bekam die Rotfruchtpflanze in ihren Anbauländern typische Trivialnamen wie Red Fruit oder Buah Merah. Im reifen Zustand sind die Früchte in der Regel hell- bis dunkelrot glänzend, zuvor sind sie grün. Pandanus conoideus ist in Indonesien, genauergesagt in Irian Jaya auf den Molukken und Papua Neuguinea heimisch. Dort wächst sie wild und kultiviert an Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit. In ihrer wilden Form ist die Pflanze fast in der gesamten Papua-Region zu finden. Pandanus conoideus gedeiht bis in eine Höhe von ca. 2400 m, bei Temperaturen von 23°C - 35°C und bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 98%.

 

Nahrung und Heilmittel

Bei den Naturvölkern der Papua-Region findet die Pflanze schon lange Verwendung als Nahrungsmittel oder wird als natürlicher Farbstoff eingesetzt. Sie wird oft zu großen Feierlichkeiten wie Hochzeiten, Geburten und anderen Anlässen serviert. Die Früchte werden dann gekocht und zu einem Brei oder einer dickflüssigen Soße verarbeitet und mit frischen Kartoffeln serviert. In einer Vielzahl von Speisen findet sich die Rotfruchtpflanze auch in getrockneter Form wieder.

Oftmals wird die Buah Merah sogar als heilig verehrt, denn die Einheimischen schreiben der Pflanze große Heilkräfte zu. Aufgrund ihrer Traditionen sind die Einheimischen davon überzeugt, dass die Pflanze nicht nur bei Augen- und Hautkrankheiten hilft, sie schreiben ihr zudem eine große Wirkung bei Tumorerkrankungen und Wurmbefall zu. Stillende Mütter glauben, dass das Öl der Buah Merah den Milchfluss anregt. Zudem gilt die Pflanze, vielleicht wegen der phallischen Form ihres Fruchtstandes, als Potenzmittel.

 

Angebliche heilende Eigenschaften der Pflanze können bisher noch nicht als erwiesen angesehen werden. Es gibt allerdings einige wissenschaftlich fundierte Studien, die den Zusammenhang zwischen dem Konsum der Rotfrucht und dem geringen Auftreten von Krankheiten wie Krebs, Hepatitis, Bluthochdruck, Schlaganfall und Diabetes in der Papua-Region herzustellen vermögen. So werden beispielsweise den in der Rotfrucht vorkommenden Vorstufen der Vitamine A (B-Carotin) und E (Tocopherol) die Fähigkeit zugeschrieben, freie Radikale zu neutralisieren. Beide Komponenten sollen in der Lage sein, die freien Radikale, die erwiesenermaßen Mutationen verursachen können, abzufangen. Dem B-Carotin wird nachgesagt, die Ablagerungen in den Arterien verlangsamen zu können, wodurch die Gefahr von Herzkrankheiten und Schlaganfällen gemindert wird. Vom Tocopherol wird angenommen, dass es das Cholesterin im Blut neutralisiert und freie Radikale vernichtet. Die im Fruchtfleisch vorkommenden Fettsäuren (Oleinsäure 69%, Palmitinsäure 19,2%, Linolsäure 7,8%) sollen eine antibiotische und virostatische Wirkung haben.

 

Das Öl der roten Früchte

Die Frucht der Buah-Merah-Pflanze ist sehr ölhaltig. Die Früchte werden daher in den meisten Fällen entweder ausgepresst oder ausgekocht. Auf diesem Weg kann das wertvolle rote Öl, das es in der Papua-Region auf jedem Markt zu kaufen gibt, gewonnen werden. Während das Öl bei den Einheimischen vor allem wegen seiner rituellen und heilenden Qualitäten Verwendung findet, spielt das Rotfruchtöl in Europa und Amerika vor allem in der Kosmetikindustrie oder in der Naturheilkunde eine Rolle. Es gibt inzwischen einige Cremes und Salben auf Rotfruchtöl-Basis, die in der Behandlung gegen Neurodermitis oder als Pflege nach einer Tätowierung Anwendung finden. Eine besondere Bedeutung kommt dem Öl nach Auffassung einiger Naturheilkundler bei der Leber-Entgiftung zu, da sie die These vertreten, dass bestimmte chronisch verlaufende Krankheiten, ihren Ausgangspunkt in mangelnder Entgiftung finden. Diese Sichtweise ist wissenschaftlich allerdings höchst umstritten. Als gesichert gilt allerdings, dass das Rotfruchtöl eine antioxidative und antivirale Wirkung hat. Darüber hinaus enthält die Rotfrucht und somit auch das aus ihr gewonnene Öl, viele Mineralien und einen hohen Prozentsatz Polyphenole. Diese wirken unter anderem vorbeugend gegen einige Krebsarten und senken in manchen Fällen das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung um bis zu 70 Prozent. Weiterhin bilden Polyphenole eine massive Unterstützung für das Immunsystem, was zu mehr Vitalität und einem gesteigerten Leistungsvermögen führt.

 

Therapie mit Rotfruchtöl

Heilpraktiker und auch Schulmediziner verwenden das Öl inzwischen bei diversen Therapien und Krankheitsbildern. Soll die Einnahme lediglich der Prophylaxe dienen, so empfiehlt es sich anfangs zwei Wochen lang nur zwei Teelöffel pro Tag einzunehmen. Danach kann die Dosis auf ein bis zwei Esslöffel täglich gesteigert werden. Bei erkrankten Menschen wird die Therapie individuell vom Arzt oder Heilpraktiker festgelegt. Achtung: Rotfruchtöl ist, obschon es frei verkäuflich in vereinzelten Reformhäusern, Bio-Märkten, Drogerien u. Ä. erhältlich ist, als Produkt mit einer medizinischen Wirkung zu sehen. Es sollte daher nicht zur Selbst-Therapie eingesetzt werden, da Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden können. So sollten Menschen, die Mittel zur Blutverdünnung einnehmen, kein Rotfruchtöl zu sich nehmen. Das Öl kann durch das in ihm enthaltene Vitamin E eine gerinnungshemmende Wirkung haben. Auch sollte das Öl nicht auf nüchternen Magen eingenommen werden. Es wirkt dann abführend.

 

 

Rotfruchtöl in der Küche

Wer sich sicher sein kann an keinerlei gesundheitlichen Einschränkungen zu leiden, die dem Genuss des Öls im Weg stehen, kann das Rotfruchtöl, auch in der modernen europäischen Küche einsetzen. Der Geschmack wird meistens als fruchtig bis honigartig beschrieben. In den meisten Fällen wird das Öl der Rotfruchtpflanze in der kalt gepressten Variante angeboten. Das ist auch sinnvoll, denn nur in dieser Variante sind noch die vielen wertvollen Vitaminde enthalten. Jedes Gericht, das mit Olivenöl zubereitet wird, kann problemlos durch das Öl der Rotfruchtpflanze ersetzt werden. Je nach persönlichem Geschmack, kann natürlich auch jedes andere Öl ersetzt werden. Hier kommt es nur auf die speziellen Vorlieben und Geschmäcker an. Aber das Öl der Buah Merah eignet sich nicht nur zum kochen, sondern auch zum Einlegen von Gemüse und Kräutern. Durch das Öl erhalten beispielsweise sehr markant schmeckenden Dinge wie Ingwer, Knoblauch oder Zwiebeln einen allgemein als angenehm empfundenen milden Geschmack. Weil das Öl besonders vielseitig ist, kann es natürlich auch beim Backen eingesetzt werden. Bei allen ölhaltigen Teigen kann eine kleine Menge des Pflanzen- oder Sonnenblumenöls durch Rotfruchtöl ersetzt werden.

 

 

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